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| Interview mit Herrn Andreas Schühle, OB-Kanditat für
Leonberg (Frau Schühle ist die ganze Zeit über auch dabei), geführt von Agnes Hoffmeister am
15.09.09
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Herr Schühle, warum kandidieren Sie für das Amt des Oberbürgermeisters?
Weil ich mit der Politik unzufrieden bin. Es wird viel geredet, aber es passiert relativ wenig. Es werden keine Entscheidungen zum Wohl aller getroffen und die Bevölkerung wird nicht ernst genommen. Als Beispiel kann ich die vielen Agendagruppen in Leonberg nennen. Sie werden angehört und dann wird doch ganz anders entschieden. Und da habe ich mir schon seit längerer Zeit überlegt, ob ich das mache oder nicht. Ich habe festgestellt, dass sehr viele Leute unzufrieden sind, wie es in Leonberg abgeht und sich einfach eine Veränderung wünschen, aber sich nicht trauen. Für mich ist das oberste Ziel eine Offenheit, eine Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit zu leben und das alles mit den Bürgern zusammen. Damit möchte ich die Ziele erreichen, die hier in Leonberg seit Jahren besprochen werden wie Lärm, Umwelt, Verkehr und diese ganzen Dinge. Ich habe meinen Mut zusammen genommen und gesagt: „Ok, ich mach´s.“ Es gab lange Diskussionen und Auseinandersetzungen mit meiner Familie, weil das doch eine zusätzliche Belastung gibt. Das war der Grund für meine Kandidatur. Ich wollte nicht immer nur zuzuschauen, sondern selber etwas verändern.
Sie haben gerade von Offenheit gesprochen. Was bedeutet „Offenheit“ für Sie? Wer muss offen sein?
Ich muss offen sein zu meinen Bürgern. Wenn es Probleme gibt, dann müssen sie davon erfahren. Ich darf es nicht hinterm Mond halten, ob es jetzt dem Gemeinderat passt oder nicht. Wenn ich dann das Problem mit den Bürgern lösen kann, sind sie zufriedener und können sich identifizieren mit dieser Stadt. Sie werden gefragt, also nicht für dumm verkauft. Es geht mir darum, die Dinge beim Namen zu nennen und auch mal zu seinen Fehlern zu stehen, auch öffentlich. Ich möchte mir gegenüber auch ehrlich sein und mich morgens noch im Spiegel anschauen können.
Heißt das also im Umkehrschluss, dass diese Offenheit im Moment nicht vorhanden ist?
Meiner Meinung nach nicht.
Haben Sie da ein Beispiel?
(zögert) Ohne jemand auf den Schlips zu treten, habe ich keins.
Was liegt Ihnen über die von Ihnen genannten Werte hinaus am Herzen?
Die Vereine sind für mich sehr wichtig und da lohnt es sich zu investieren.
Das Schaffen von Voraussetzungen für gute Bildung ist mir auch ein Anliegen.
Wie realistisch sehen Sie Ihre Chancen gewählt zu werden?
Ich sehe meine Chancen eigentlich gering.
Warum machen Sie es dann?
Aus Protest, um die Leute wachzurütteln, deshalb steht auch auf meinem Plakat (zu sehen im Schaufenster vom „Buntstift“, Anm. der Redaktion): „Es geht auch anders“, aber nicht um jeden Preis. Das, was bis jetzt gemacht wurde, hat nicht funktioniert oder nur zum Teil funktioniert.
Die beiden anderen Kandidaten sind gerade sehr aktiv, was ihren Wahlkampf betrifft. Machen Sie auch Wahlkampf?
Ich kann aus finanziellen Gründen nicht und ich bin berufstätig und muss meinem Arbeitgeber meine volle Arbeitskraft zukommen lassen.
Den Termin in der Stadthalle am Freitag mit den anderen Kandidaten, den nehmen Sie aber wahr und versuchen so, die Bürger zu erreichen?
Ja, richtig.
Was sind Ihrer Meinung nach die Herausforderungen, vor denen Leonberg steht?
Die Herausforderungen sind vielfältig. In erster Linie wird es mit Sicherheit eine finanzielle Schwierigkeit geben. Was wohl v.a. daran liegt, dass kaum noch Firmen zugezogen sind, was die Gewerbesteuereinnahmen beeinträchtigt. Schwierigkeiten wird es auch mit mir geben, wenn ich gewählt werde. Wenn ich etwas wissen möchte, werde ich extrem nachbohren und was ich nicht verstehe, werde ich so lange fragen, bis ich´s verstehe. Deswegen sehe ich auch die Schwierigkeiten, zusammen mit dem Gemeinderat etwas auf die Beine zu stellen. Ich werde auch keine Versprechen abgeben können, weil es mir nichts bringt, wenn ich den Leuten etwas vorlüge und es dann nicht halten kann.
Leonberg hat sich in den letzen Jahrzehnten sehr stark verändert, nicht unbedingt zum Guten. Es ist so zerrissen: Stadtmitte, Altstadt, Neue Stadtmitte, Eltingen. Das ist alles zu weit auseinander. In meiner Kindheit ist man eine Baumallee entlang gegangen. Das war phantastisch und man konnte alles erreichen. Dann wurde viel abgeholzt, das Hallenbad wurde gebaut. Man hat zu viele freie Flächen gelassen, die planlos bebaut wurden. Damals war der Marktplatz immer sehr belebt, jetzt wirkt er traurig, trist, tot. Die neue Stadtmitte: Gut, dass jetzt etwas verändert wird, aber sie wirkt kalt, traurig, trist, tot. Eltingen: Heimelig, unsere Prachtstraße, ein Auto nach dem anderen, aber es ist kein Wohlfühlen da. Ramtel genauso. Da ist kein Zentrum, wo man hingehen könnte, wo es gemütlich ist.
Wie könnte man diesen Zustand ändern?
Eine richtig gute Idee habe ich nicht.
Welche Möglichkeiten sehen Sie, um das Verkehrsproblem in Leonberg zu mindern?
Das ist sehr schwierig. Man könnte den Durchgangsverkehr etwas erschweren, nur der Lieferverkehr soll dadurch nicht beeinträchtigt bleiben. Die LKW sollten auf der Autobahn bleiben. Das ist nicht immer möglich, wenn z.B. im Tunnel etwas passiert, dann ist Leonberg dicht. Da ich selber an einer sehr stark befahrenen Straße wohne, kenne ich das Problem nur zu Genüge. Wir haben es genossen, als die Brennerstraße umgebaut wurde!
Ich gehe davon aus, dass es genügend Bürger gibt, die sich mit diesem Thema befassen und ich denke, in Zusammenarbeit mit ihnen könnte man zu Lösungen kommen, die vielleicht für alle lindernd sind. Wegdrängen kann man diese Verkehrsbelastungen nicht.
Wie waren die Reaktionen auf Ihre Kandidatur?
Sehr negativ, es hat sich sogar aufs Geschäft ausgewirkt und gestern wurde mir von jemand aus dem Verein, in dem ich tätig bin, das Gefühl vermittelt, ich hätte es lieber lassen sollen mit der Kandidatur. Er ist bei der Stadt beschäftigt und meinte, wenn es dumm läuft, müssten er und die anderen am 10. Oktober noch einmal eine freien Sonntag opfern (wenn es am 27.9. zu keiner absoluten Mehrheit kommt, ist eine Stichwahl notwendig. Anm. der Redaktion). Zum Teil wird das auch auf die Familie übertragen. Meine Mutter trägt seit über 40 Jahren die Zeitung aus und sie wurde schon mehrfach negativ auf die Kandidatur angesprochen. Das hat nichts mehr mit freien Wahlen zu tun.
Es gab aber auch positive Stimmen.
Hier ergreift Frau Schühle das Wort:
Wir haben hier einige Kunden im Laden, die wenig Interesse an der OB-Wahl hatten. Mit der Kandidatur meines Mannes wurde es für diese Menschen mit einem Mal interessanter. Sie sagten: „Jetzt ist es eine richtige Wahl“. Es wollen jetzt mehr wählen gehen wie vorher. Da hat es schon etwas bewirkt.
Dann haben wir noch einige telefonische Rückmeldungen bekommen von Menschen, die einen Artikel von Herrn Slotwinski über die OB-Wahl und die Kandidatur meines Mannes am vergangenen Samstag sehr negativ aufgefasst haben und uns ihr Missfallen darüber ausgedrückt haben. So etwas sollte eigentlich neutral abgewickelt werden. Ich habe auch einen Leserbrief abgeschickt. Ob der abgedruckt wird, bezweifle ich.
Herr Schühle fährt fort:
Da ich keine große Werbung machen kann, bin ich darauf angewiesen, dass die Leute zu mir kommen und mit mir sprechen. Das passiert auch gerade immer wieder.
Die Stadt liegt mir einfach am Herzen, ich bin hier geboren und aufgewachsen, bin auf die Schule gegangen (Hauptschule) und habe meine Lehre gemacht. Ich hoffe, dass dies auch manche Hauptschüler motiviert. Es liegt an jedem selber, was aus seinem Leben zu machen. Ich habe bis jetzt alle Ziele erreicht, die ich erreichen wollte, aber immer im Zusammenarbeit mit meinen Familienangehörigen, Angestellten und meinen ehemaligen Chefs.
Vielen Dank für das Gespräch!
Agnes Hoffmeister, die die Interviews geführt hat, erreichen sie über info@salz-leo.de
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