Bürgerversammlung Höfingen am 11.04.05

Auftakt zum Thema "sollen Ortschaftsrat und -verwaltung abgeschafft werden?"


selten aber sinnvoll: Bürger reden, Politiker hören zu


Sitzungsleitung: Ortsvorsteherin Ursula Kreutel


Beton: es kommt darauf an was man daraus macht. Sowas lieber nicht.


Wählerstimmen für die FDP gesammelt? Prof. Dr. Maurmaier als Vertreter der OR-Befürworter vor farblich passendem Hintergrund


Friedliche Aussprache: sachliche Bedenken-Vorträge der Höfinger Bürger


Leicht verschnupft: GR/OR Fürst


Zu viel über die Kreisumlage und die Welt geredet, aber auch gute andere Argumente gebracht: OB Schuler 


Keine Heimat: der Liederkranz Höfingen (gegründet 1880!) hat angeblich schon immer im neuen Höfinger Rathaus geprobt.

Am 11.04.05 fand in Höfingen die Auftaktveranstaltung zu den Bürgerversammlungen mit Themenschwerpunkt Auflösung der Ortschaftsräte/-verwaltung statt.

Wir waren vor Ort um uns ein Bild von der Stimmung zu machen. Die Sitzung unter Leitung von Ortsvorsteherin Ursula Kreutel war mit 500 nicht nur Höfinger Bürgern sehr gut besucht. Dennoch kam es nicht zu einseitiger Stimmungsmache, vielmehr legten OB Schuler und Prof. Dr. Maurmaier ihre Argumente für bzw. gegen die Abschaffung sachlich dar. 

Über den Verlauf des Abends sind Sie sicher schon aus der Zeitung informiert, daher gleich zur SALZ-Interpretation des Geschehens:

Bezeichnend war der Anteil junger Höfinger unter 40 Jahren, den man optimistisch bei höchstens 10% sehen kann. Die unter 30-jährigen waren quasi nicht anwesend. So war auch klar dass die Anwesende Generation Höfingen noch aus der Vor-Eingemeindungszeit kennt und damit Nostalgie im Spiel war: eine Rednerin wollte gar das Rad der Geschichte zurückdrehen. 

Ein jüngerer Redner brachte es auf den Punkt: wer Veränderungen nicht mutig angeht und nur bestehende Strukturen akzeptiert wird den Anschluss an die Welt verpassen. Interessant auch, dass der schon seit 1880 existierende Liederkranz Höfingen wohl schon "immer" im Rathaus seine Heimat hatte...

Nicht wegen der Kosten sondern zur Effektivitätssteigerung und eben auch weil für viele - wenn auch nicht alle - jüngeren Menschen die Eingemeindung längst vollzogen ist sind wir der Meinung, dass diese politische und Verwaltungs-Stufe ein Fossil ist. Die Zeit ist reif die alten Zöpfe abzuschneiden und eine gesamtleonberger Denke im Gemeinderat einzufordern! 
Dabei wäre für die Übergangszeit bis zur vollständigen Ankunft der Höfinger in Gesamtleonberg ein altes Modell die bessere Wahl gewesen: die unechte Teilortswahl. mit Fokus auf die Gesamtstadt hätten die in den Teilorten Gewählten mit starker Stimme in Leonberg Präsenz gezeigt und, was noch wichtiger ist, auch tatsächliche Macht gehabt. Der an sich schönen Utopie dass den Ortschaftsräten mehr Einfluss seitens des Gemeinderates zugesprochen wird wollen wir aus Kenntnis der Köpfe nicht folgen. Zurück zur unechten Teilortswahl und die dezentralen Organe auflösen wäre eine durchaus denkbare Lösung.

Schließlich leben wir in einer modernen Welt: wer SALZ eine E-Mail mit einem Anliegen schickt bekommt umgehend eine Stellungnahme. Ob er in Höfingen wohnt oder neben dem Rathaus. Kommunikation ist alles, mangelnde Kommunikation allerdings ein großes Problem, gerade in Leonberg. Daran müssen wir Arbeiten. Nicht an Abgrenzungen nach alten Landkarten.

Ums Geld geht es uns jedenfalls nicht: mit vergleichsweise kleinen Beträgen wie den Kosten für die Ortschaftsräte (die wohl nicht unbedingt ein Rathausmonster bräuchten) ist ebenso wie mit dem Sparwahn bei anderen sensiblen Bereichen bürgerschaftlichen Engagements, beispielsweise der Lokalen Agenda,  der nächste Haushalt nicht zu retten. Anstatt hier die Bürger mit Cent-Rechnereien zu zermürben wäre die klare Aussage zur Ineffektivität der ORs (nicht unbedingt selbstverschuldet!) die bessere Vorgehensweise gewesen. Der gefährlich  falsche Eindruck "Ehrenamt kostet nur Geld und bringt nichts" wäre nicht entstanden. Wer Geld sucht wird es an belastenderer Stelle finden, etwa in der Stadthalle...

Abschließend noch einiger Gedanken zum neuen Rathaus in Höfingen: dieses Monument der Hässlichkeit kostet laufend und in den nächsten Jahren durch fällige Renovierungen im Besonderen unmengen Geld. Das alles für Verwaltungsbruchstücke und schwache Vereinsnutzung. Sollten wir hier nicht konsequent sein und den Blick auf das Zentrum öffnen? Die Abrißkosten werden durch die gesparten laufenden Kosten der nächsten beiden Jahre leicht getragen. Ein luftiger Ortskern mit Aussicht auf Lebensqualität könnte die Folge sein. Wie man es macht sehen Sie in unserer EISS-Abriss Fotoserie auf der Startseite.

Diskutieren Sie dazu mit uns im Forum!

Ihre Liste SALZ


  


Statements
Ihrer SALZ-
Gemeinderäte:

Frank Dahl

Als Höfinger kann ich die Gefühle und Argumente derer die an Rat und Verwaltung festhalten wollen gut verstehen. Meine noch kurze Erfahrungszeit im Gemeinderat hat allerdings gezeigt, dass die Gremien vor Ort faktisch entmachtet sind und keine effektiven Möglichkeiten haben auf die Stadtpolitik einzuwirken. Das ist zu bedauern aber nach meiner Einschätzung schlicht nicht umkehrbar. Ich hoffe und vertraue darauf dass sich die traditionell starke Höfinger Bürgerschaft vermehrt in klassischen wie auch in Bürgervereinen organisiert und so den Stadtteil aktiv und attraktiv hält. Ich bin sicher dass eine solche Entwicklung sowohl für die Gesamtstadt als auch die Teilorte zukunftsfähig ist. 

Frank Albrecht

Es ist erst wenige Jahrzehnte her dass die Eingemeindung zumindest auf dem Papier die Teilorte mit Leonberg vereint hat. Vor allem in den Köpfen der älteren Generationen die den alten Zustand noch kennen ist dies noch nicht angekommen. Das alleine ist aber nicht der Grund für die überwiegende Ablehnung der Aufgabe weiterer Eigenständigkeits-
Merkmale. Vielmehr fühlt man sich von der "Kernstadt" mit vielen kleinen Problemen alleine gelassen. Und damit trifft man ein großes Leonberger Thema: das Kommunikations-
defizit. Verwaltung aber auch Gemeinderat sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, statt das zu tun wofür sie da sind: Leonberg in eine sichere Zukunft zu führen und das den Menschen die es betrifft auch zu vermitteln!