|
Hochwertige Politik
denkt mit!
Ein Kommentar von Stadtrat Frank Albrecht, anlässlich einer
unglaublichen und unversöhnlich stimmenden Geschichte des OB in der LKZ.
Am
31.12.2011 lesen wir erstaunt das Interview von OB Bernhard Schuler in
der LKZ. Ich frage mich mal wieder ob wir in unterschiedlichen
Städten leben, hier die Schuler-Stadt, die alles bewahren will und doch
nichts vorwärts bringt, da die S:ALZ-Stadt, die mit einem gar nicht so
kleinen Teil des Gemeinderats in die Zukunft denkt.
Obschon
wir ausreichend andere Baustellen haben, wird wieder einmal der Versuch
unternommen den Bürgerentscheid abzuwehren, unter Berufung auf die in
unserer Stadt ach so hoch gehaltene vornehme Rechtskultur, der wir
uns nun doch mal verpflichtet fühlen sollen.
Die Tatsache dass 5000 Unterzeichner für das Bürgerbegehren gefunden
wurden, wird für die Erkenntnis "die Verwerfungen [in der
Bevölkerung] sind weitaus größer als die Zahl der Unterschriften"
herangezogen. Daraus wird allen Ernstes die Motivationsverpflichtung
abgeleitet, doch nun endlich dem sowieso immer richtigen Verwaltungsweg zu
folgen und das Marode zu sanieren und damit die Stadt zu befrieden.
Weiter
lesen wir dass die Herbeiführung des Beschlusses nicht "ganz unserer
Rechtskultur entspricht". Außerdem hat Herr Schuler offenbar aus dem
Beschluss gelesen, dass der "Weg weg von Bildung, weg von der Stadt
der kurzen Wege" führt.
Sehr
geehrter Herr Schuler, das ist ein starkes Stück. Mit diesen Aussagen
haben Sie den Boden unserer bislang verständigen Zusammenarbeit klar
verlassen.
Dass ein
Gemeinderat der nun wirklich jeder Schulsanierung in den vergangenen
Jahren, jedem Kindergartenausbau und jeder zukunftsorientierten
Entwicklung in der Kinderbetreuung allgemein nahezu einstimmig zugestimmt
hat in diese Ecke gestellt wird, ist der erste und größte
Silvesterknaller dieses Jahreswechsels!
Die
schlichte Aussicht dass ein etwas weiterer Weg zum Hallenbad zu einer
Verarmung der Bildungslandschaft führt, ungeachtet der zuverlässigen
Millioneninvestitionen der vergangenen und zukünftigen Jahre, das ist
ein wahrhaftiger Grund die Stadthalle wieder vermehrt zu nutzen und den
Stadtschreiber Peter Höfer zu bitten ein lustiges Schauspiel daraus zu
stricken! Ich habe es unlängst teilöffentlich geschrieben, hier nochmal
für die Welt:
Schule scheint in Leonberg zu 98% aus Schwimmunterricht zu bestehen, der
offenbar Ausschließlich an ASG, JKG, GHR und Schellingschule gelehrt
wird.
Sämtliche anderen Schulen sind prinzipiell Schulen Dritter Klasse, haben
keinen Zugang zu Wasser und das früher mal auch wichtige Lehren von
Physik, Mathematik, Geschichte und anderem dient höchstens dazu dass man
am Beckenrand was zu erzählen hat.
Also
bitte!
Allerdings
setzen wir unsere Schullandschaft derzeit tatsächlich aufs Spiel! Und
zwar weil Teile der Verwaltung in Tateinheit mit Teilen der
Rektorenkonferenz aktuelle Entwicklungen schlicht verschlafen, aussitzen,
kleinreden!
Wir haben
in Leonberg wenigstens zwei und natürlich mehr hervorragende Rektoren,
die auf die aktuellen Entwicklungen mit wegfallender Grundschulempfehlung
und von Stuttgart vorgegebenen anderen Weichenstellungen reagieren. Diese
Entwicklungen kann man beklagen, sich darüber aufregen - auch ich bin
eigentlich ein Freund des klassischen Bildungssystems - oder man tut das
einzig Richtige: man stellt die Weichen für die Zukunft in unserer noch
bildungsstarken Stadt!
Da hilft aber ein Hallenbad am vermeintlich richtigen Ort rein
garnichts! Es hilft, wenn sich die Verantwortlichen nicht nur 1x pro
Halbjahr zusammensetzen um dann zu entscheiden dass man lieber doch erst mal
nichts macht, sondern einen runden Tisch einberuft, der in kurzen
Abständen eine sinnvolle Weiterentwicklung auf den Weg bringt. Dabei ist
es für die Gesamtstadt wahrlich egal, ob einzelne Rektoren Angst haben
dass ihre Schulform, es könnte die Realschulen treffen, leer laufen oder
nicht.
Es gilt sich neu aufzustellen um dem Schülerschwund in
innovativere Nachbargemeinden zu stoppen! Da müssen Themen wie
zusätzliche Angebote von Gemeinschaftsschulen und G9 offen diskutiert
werden, abwarten ist Rückschritt! DAS sind die Themen die unseren Bildungsstandort
sichern, nicht ob wir einen Wassereimer hier oder da hinstellen!
Sehr
geehrter Herr Oberbürgermeister: es wird Zeit den Blick aufs Wesentliche
zu fokussieren, nicht mit aufgeregten öffentlichkeitswirksamen
Nebenschauplätzen die gesamte Bildungsgeschichte in bequemer Untätigkeit
fahrlässig aufs Spiel zu setzen.
Bleibt mir
am Ende nur eine hoffnungsvolle Forderung und Wünsche für unsere an sich
schöne Stadt zu stellen: Verwaltungsupdate 2.0 jetzt!
Ihr Frank
Albrecht
|